7 ArchitektInnen + 7 IngenieurInnen + 7 Fragen

7 Architekt:Innen+ 7 Ingenieur:Innen + 7 Fragen
So geht Plan A – Interview mit m.ing.a Architekten


Autor: Stanitznig Andrea veröffentlicht am 18.07.2022 · untermStrich software GmbH

„Architektur ist grenzenlos!“

Klassische Architekt:innen tragen schwarz und immer einen kühlen Gesichtsausdruck? Von wegen! Karin Klein und Alexandra Bayer alias m.ing.a Architekten beweisen seit fünf Jahren, dass Individualität und Herzlichkeit sich in Sachen Erfolg mehr als bezahlt macht

Eine Schnitzeljagd im Rahmen eines Verkehrskonzepts für die Stadt München, Wohnbauprojekte, komplexe technische Bauvorhaben für das Klinikum München oder gar ein spektakuläres Lichtkonzept für den Viktualienmarkt – das Portfolio von m.ing.a Architekten ist bunt. Und das ist auch gut so. Immerhin stecken hinter dem Planungsbüro, dass gerade sein 5-Jähriges Jubiläum im Herzen der bayerischen Hauptstadt feierte, Architektinnen, wie sie eben nicht im Buche stehen. Fachliche Kompetenz treffen hier auf gelebte Leidenschaft, Individualität auf ultimativen Teamgeist, technische Expertise auf völlig kreative Denkansätze. Hinter dem Büro für Architektur und Netzwerk stecken Karin Klein und Alexandra Bayer und ihr Leitsatz „Form folgt Herzlichkeit“. „Karin ist die Visionärin, ich die Macherin. Während ich mich liebend gerne in die Projektarbeit stürze, sucht sie immer wieder nach neuen Denkansätzen, auch außerhalb unserer Branche“, so Bayer.

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Wie definiert ihr Architektur für euch?

Alexandra Bayer: Sie ist der beste Job der Welt. Wir haben die Möglichkeit zu planen, mit Menschen unterschiedlicher Herkunft Projekte zu besprechen, sie auf Papier zu bringen. Am Ende kann man unsere Arbeit begehen, darin herumlaufen, erleben. Wir können unsere Realität und die der kommenden Generation mit gestalten.


Karin Klein: Sie ist eine Königsdisziplin der Künste, weil sie einfach so viele Schnittstellen zu anderen Bereichen hat. Darum auch die Vielfältigkeit bei unseren Projekten. Wir lassen uns nicht einschränken und sagen, okay, lass jetzt nur noch Einfamilienhäuser oder Krankenhausbau machen. Wir entscheiden immer auf Grundlage der Anfragen und der Sympathie unserer Auftraggeber. Es ist uns wichtig, mit wem wir arbeiten. Ein gutes Arbeitsklima ist das A und O für ein Projekt.

 

Wo sind die Grenzen eurer beruflichen Vielfalt?

Karin Klein: Die existieren nicht, und das ist auch gut so. Wir werfen uns auch bei Projekten ins Rennen, bei denen man gar keinen Architekten als Bewerber erwartet. Die entsprechenden Experten für andere Kreativbereiche haben wir bei der Hand, quasi wie einen Telefonjoker für Projekte. Unser Netzwerk ist unsere große Stärke. So ist auch die Lichtkooperation für den Viktualienmarkt in München entstanden. Wir haben hier mit einer Kollegin, die sich von der klassischen hin zur Lichtarchitektur weiterentwickelt hat, kooperiert. Das Projekt hatte eine Schnittstelle zur Fachplanung Statik, zu Lichtplanung und ein bisschen auch zum Städtebau. Am Ende haben wir den Auftrag bekommen. Nun hoffen wir, dass am Weihnachtsmarkt heuer unser schönes Lichtkonzept zu sehen sein wird. Durch Covid wurde es ja verschoben.

 

Wie mutig muss man als Unternehmer sein?

Karin Klein: Ich finde, gar nicht so sehr. Meist findet man die Lösungen dann, wenn ein Problem auftaucht. Man sollte nur keine Angst vor Fehlern haben, aus denen lernt man ohnehin am meisten. Ein zweites Mal macht man den selben Fehler bestimmt nicht. Was man sich trauen muss, ist, um Hilfe zu bitten. Man kann sich für die unterschiedlichenVerantwortungsbereiche, die sich plötzlich mit der Selbstständigkeit vor einem auftun, Unterstützung suchen. Ich habe Weiterbildungen belegt, mich für alles gerüstet. Und die Erkenntnis war am Ende: Ich kann gar nie alles wissen. Buchhaltung, Marketing, Management, nicht jedem von uns liegt auch jeder Aufgabenbereich. Dort, wo man seine Schwächen hat, sollte man sich Hilfe holen. Ein gutes Beispiel ist untermStrich. Termine, Stundeneingabe, Kontakte, Rechnungsstellung, im Grunde erledigt die Software das fast im Handumdrehen für uns.


Alexandra Bayer: Eines muss ich auch noch erwähnen: Man braucht immer eine gute Partnerin an seiner Seite, mit dem man sich austauschen kann. Quasi einen Sparring-Partner, mit dem oder der man gemeinsam lachen, weinen, feiern aber sich manchmal eben auch Mut machen kann. Mir bringt das unglaublich viel. Ich finde es für jeden Architekten empfehlenswert, sich in irgendeiner Form in ein Team zu integrieren. Ob innerhalb einer Firma oder von Bürogemeinschaften. Größere Projekte kann nie einer alleine stemmen. Wer alleine bleibt, kann nicht viel mehr als Einfamilienhäuser planen. Die Gemeinschaft multipliziert alle Möglichkeiten.

 

Wie motiviert man ein Team?

Karin Klein: Indem man es aus den richtigen Menschen zusammensetzt. Unser Team besteht nicht nur aus Architekten, es ist interdisziplinär. Alleine deshalb reden wir auch nicht immer nur über Architektur. Wir sind eine bunt gemischte Familie mit unterschiedlichen Herkünften, Fachbereichen, Expertisen. Wir befeuern unsere Leidenschaft gegenseitig. Reißen uns mit, auch wenn jemand einmal nicht gut drauf ist. Ohne große, motivierende Ansprachen. Die werden durch den familiären Umgang ersetzt. Das Team ist unsere Stärke. Darum versuchen wir immer an einem Tag der Woche etwas anderes als klassische Projektarbeit zu machen. Das kann mal ein GIF für unsere Social Media Accounts sein, einfach einen Projektpartner anrufen, den man schon länger nicht mehr kontaktiert hat oder gezielt nach Ausschreibungen suchen, die etwa den Interessen der Mitarbeiter entsprechen. So kommt es zu ständiger Weiterentwicklung.


Alexandra Bayer: Es ist aber bestimmt auch die thematische Abwechslung bei unseren Projekten. Es tut jedem gut, immer wieder Neues auszuprobieren. Oder bei einem völlig verrückten Wettbewerb in Japan mitmachen zu dürfen. Man darf nie in Trott versinken. Wir sind nicht nur ein Architektur-, sondern auch ein Netzwerkbüro mit dementsprechenden Veranstaltungen. Alleine die unterschiedlichen Menschen aus diversen Bereichen, die zu uns kommen, sorgen für Abwechslung.

 

Netzwerken findet ja inzwischen vor allem digital statt. Wie wichtig sind soziale Medien und digitales Marketing für Architekt:innen?

Alexandra Bayer: Man sollte sie als Geschäftsinstrumente nicht unterschätzen. Ob man hier nur sein Netzwerk öffentlich zeigt, wir kleine, kreative Momente postet, neue Verbindungen knüpft. Es ist ein spannendes Werkzeug. Aber eben auch arbeitsintensiv.

Karin Klein: Wir lieben zwar alle den analogen Kontakt zu unseren Kunden, doch mein Start ins Berufsleben hätte ohne Internet ganz anders ausgesehen. Xing, LinkedIn, Facebook, Twitter, Instagram, ich habe auf Anraten eines Vortragenden in einem Gründerkurs schon zu Beginn meiner Selbstständigkeit überall Accounts angelegt. Dadurch bin ich einem Recruiter ins Auge gesprungen und wir haben virtuell Kontakt gehalten. Er hat mich am Ende kontaktiert, da er einen Architekten für einen Auftrag in München gesucht hat. Am Ende hat sich herausgestellt, dass es sich nicht um ein kleines Sanierungsprojekt gehandelt hat, sondern die Stadtwerke Unterstützung beim Gesamtsanierungsprojekt der U-Bahnhöfe brauchen. Am Ende war ich ein Jahr Teil dieses tollen Projekts. Das hat meine Meinung drastisch geändert. Social Media und Mundpropaganda, das reicht heutzutage schon, wenn man einen gute Ruf hat und gute Arbeit macht.

 

Wie viel unternehmerische Kreativität braucht es zusätzlich in Krisenzeiten?

Karin Klein: Eine gute Portion. Aber auch die kommt, wenn man vor neuen Herausforderungen steht. Als Corona über uns alle hereingebrochen ist und öffentliche Aufträge schlagartig gestoppt wurden, mussten wir uns auch etwas einfallen lassen. Wir haben daraufhin jeden Freitag diese Sprechstunde eingerichtet. Wie beim Arzt hatten sie die Möglichkeit, ihre Fragen rund um das Thema Architektur zu platzieren. Das Ganze ist schnell gewachsen, hat die Menschen begeistert. Es hat einfach für Gesprächsstoff gesorgt. Für seine Sichtbarkeit muss man selbst sorgen. Viele Anfragen kommen zu uns, weil wir ständig an unserem Google-Ranking arbeiten, Menschen uns dadurch leicht finden und sie am Ende anrufen, weil unsere Website sympathisch fanden. Smartes Marketing ist also auch in der Architektur unabdingbar.

 

Und nun die Frage, die am Ende jedes Plan-A-Interviews gestellt wird: Was wäre euer Traumprojekt?

Karin Klein: Mitten in München – neben der Bavaria – ein Hochhaus zu bauen! Und zwar so, wie es aktuell noch nicht erlaubt ist: höher als die Frauenkirche. Und viele, verrückte Schnittstellenprojekte.


Alexandra Bayer: Ich würde gerne ein Baumhaus planen, bis ins letzte Detail. Und richtig schick. Und sollte einmal die Sanierung des Schlosses Neuschwanstein ausgeschrieben werden, bewerben wir uns garantiert…

 

m.ing.a Werk • Vik + Winterbeleuchtung Viktualienmarkt x München

m.ing.a Werk • KuQ + Städtebauliche Schnitzeljagd x München

m.ing.a Werk • Wal2 + Sanierung Einfamilienvilla x Grünwald

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