Architektur publizieren – Wie geht das?

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Architektur publizieren – Wie geht das?

Man könnte meinen, es wäre ein Leichtes über Architektur zu kommunizieren, denn schließlich ist ein Großteil unserer Umgebung von Gebautem geprägt. Und man könnte daraus folgern, dass das Bauen daher einer breiten Öffentlichkeit ein Anliegen ist und auf a

Aber so einfach ist es, wie wir wissen, leider nicht. Im Gegenteil scheint die Aufmerksamkeit, die die Gesellschaft den Architekten und der Architektur entgegenbringt, sich auf niedrigem Niveau einzupendeln.

Die Gründe dafür können mannigfaltig sein. Es mag unter anderem daran liegen, dass sich das Informations-Volumen zum Thema Architektur nicht im gleichen Ausmaß erweitert hat, wie es in anderen Feldern geschehen ist. Ein Grund dafür ist sicher, dass Architekturschaffende weder in Ihrer Ausbildung noch im späteren Leben viele Gelegenheiten haben Ihr Wissen über Kommunikation zu stärken, noch scheint Ihr Interesse an diesen Dingen sehr groß zu sein.
Dass dies ein schwerwiegender Fehler ist, zeigt die Tatsache, dass praktisch alle erfolgreichen und meist weltweit tätigen Büros heute über eine Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit verfügen. Eine solche stellt auf alle Fälle einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar, denn Informationen zu Projekten wollen heute professionell aufbereitet und an Magazine, Presse und Internetplattformen weitergegeben werden.

Aus diesem Grund möchten wir Sie in dieser, mehrteiligen, Artikelserie dazu animieren, Ihre Projekte zu publizieren und Ihnen Möglichkeiten und Bedingungen aufzeigen Ihren Auftritt professionell zu gestalten. Sodass Sie und Ihre Bauten vermehrt Publikum finden und in weiterer Folge Auftraggeber auf Sie und Ihr Büro aufmerksam werden.

Teil 1. Die Grundlagen erfolgreicher Architekturpublikation

Das Projekt
Natürlich steht am Beginn jeder Publikationstätigkeit ein gelungenes Projekt. Aber was genau ist denn nun ein solches? Ein fertiggestelltes Gebäude, ein gewonnener Wettbewerb oder vielleicht sogar ein verlorener? Die Kriterien, die ein publikationswürdiges Projekt auszeichnen sind durch die Beantwortung einiger Fragen gut herauszufiltern.

  • Erreicht das Projekt die inhaltlichen wie objektiven Qualitätsstandards und trägt es zu einem allgemeinen Diskurs bei?
  • Erzählt das Projekt etwas über Ihre Haltung und Lösungskompetenzen?
  • Erreichen Sie durch eine Publikation jene Interessentengruppen, die Sie vielleicht als Auftraggeber gerne für sich gewinnen möchten?

Sollten Sie diese Fragen mit einem „Ja“ beantworten können, haben Sie den Startschuss bereits vorgenommen.

Die Größe oder Art eines Projektes ist dabei weniger entscheidend als der Inhalt und die Botschaft, die Sie damit transportieren wollen. Sie möchten ja schließlich jenen Aufwand, den eine Publikation mit sich bringt, auch für sich gewinnbringend nutzen.

In weiterer Folge möchten wir in diesem Teil der Serie jene Elemente betrachten, die die Grundlage jeder Publikation von Projekten und Bauten darstellen, nämlich Bilder, Texte und Zeichnungen.

Fotos und Bildmaterial
Die Diskussion, ob denn Fotografie ein Gebäude überhaupt ausreichend darstellen kann ist wahrscheinlich so alt wie die Architekturfotografie selbst. Und tatsächlich zeigen Fotos jeweils nur einen kurzen Moment und beschränkten räumlichen Kontext eines Gebäudes. Ein Foto kann die Wahrnehmung vor Ort nicht ersetzen, dagegen aber zu einer eigenständigen Interpretation des Gebäudes werden. Diese Interpretation erfordert ein hohes Maß an Imagination und Erfahrung.

Darin begründet sich unsere Empfehlung professionelle Fotografen und Fotografinnen zu beauftragen. Ein Architekturfotograf leistet Wesentliches zu Verständnis und Vermittlung Ihres Gebäudes und wird zu so etwas wie ein Übersetzer Ihrer Ideen in die Sprache des zweidimensionalen Bildes.

Wann soll fotografiert werden und was ist zu beachten?
Grundsätzlich gilt, dass ein Gebäude fertiggestellt sein muss. Und fertiggestellt heißt, richtig fertig. Nicht selten tauchen auf Bildern Container, Baustellenabsperrungen und gar Müll auf. Sie werden wenige Medien finden, die solche Bilder veröffentlichen. Böden sollten gereinigt und die Fenster geputzt, Außenanlagen und Begrünung sollten fertiggestellt sein.
Jeder, der allerdings einmal versucht hat einen Wohnbau rechtzeitig zu fotografieren, weiß wie schwierig sich das gestalten kann. Die Auftraggeber möchten ihr bezugsfertiges Haus gerne benutzen, die Mieter stehen mit ihren Möbeln vor der Türe und der Putztrupp ist gerade einmal bei der Hintertür raus.
Dennoch nutzen Sie die Chance! Üblicherweise wird ein Gebäude nicht in einem Tag fertig und auch Ihr Auftraggeber wird den Nutzen einer Publikation erkennen, wenn Sie erzählen was Sie vorhaben und dies nicht nur Ihrer sondern auch der Selbstdarstellung Ihres Auftraggebers dient.

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird ist: Warum zeigen Architekturbilder kaum Menschen? Und sollten sie das denn nicht?
In erster Linie kann die Frage damit beantwortet werden, dass der Blick auf das Wesentliche – das Gebäude nämlich – nicht getrübt werden sollte. Und viele, vor allem gedruckte Fachpublikationen halten diese Tradition hoch. Dennoch haben sich in aktuellen Publikationen die Sichtweisen gewandelt. Denn das Wesentliche ist womöglich gar der oder die Nutzer. Also warum diese nicht auf den Bildern zeigen?

Texte
„Architekten schreiben nur für Architekten. Niemand versteht das“. So oder so ähnlich klingt es wenn man über Projekttexte von Architekten zu sprechen beginnt. Und leider steckt einiges an Wahrheit in diesem Satz.

Kaum eine Berufsgruppe versteht es ihre Inhalte so gekonnt zu verschleiern, wie ein Beispiel zeigt:

„Der Entwurf zeichnet sich durch die außenliegende Nasszelle aus.“ Der Laie kennt die Fachsprache nicht, er kann nicht wissen, dass hier kein Klohäuschen im Garten, sondern ein Bad mit Fenster gemeint ist, also eine natürliche Belüftung als Qualitätsmerkmal.“ Katja Domschky: Wirkungsvoll Auftreten - PR für Architekten. Db Deutsche Bauzeitung 03/2013

Dabei kann es ganz einfach sein, wenn Sie einige Regeln beachten:

  • Stellen Sie sich vor, Sie erklären Ihr Projekt Ihrem (fachlich unkundigen, aber nicht ungebildeten) Nachbarn und haben 5 Minuten Zeit. Was würden Sie sagen?
  • Halten Sie die Reihenfolge ein und beantworten Sie in Ihrem Text folgende Fragen:
    • Wie lautete die Aufgabe und Problemstellung?
    • Wie haben Sie sich diesem genähert, welche Lösungswege gesucht und gefunden?
    • Wie haben Sie die Aufgabe schlussendlich gelöst?
    • Welchen Mehrwert haben Sie für Ihren Auftraggeber erzielt?
  • Halten Sie mit Fakten nicht hinterm Berg, überfordern Sie aber niemanden. Nennen sollten Sie:
    • Gebaute Fläche (meist Bruttogeschossfläche)
    • Gerundete Baukosten
    • Planungs- und Bauzeitraum
    • Einige, wenige Spezialdaten, die das Projekt auszeichnen (ein besonders günstiges Raumverhältnis, effektiver Erschließungsanteil, Nachhaltigkeit, etc).

Vermeiden Sie Spezialausdrücke und typischen Fachjargon.
Eine schier unerschöpfliche Quelle für schlechte Beispiele stellen Jurybegründungen dar:

„Insgesamt sind die Gebäude durch die reduzierten Belichtungs- und Aussichtflächen sehr in sich gekehrt und wollen damit die Aufmerksamkeit des Besuchers auf die im Inneren verborgenen, hoch technischen Anlagen lenken. Die Architektur entblößt den technischen Inhalt nicht durch vordergründige technische Attribute wie z. B. komplizierte Detaillösungen oder aufwändige Verglasungen; sie verinnerlicht, verbirgt und präsentiert die Finesse des Seilbahnbaues erst kurz vor der Abfahrt.“ Quelle: http://www.gat.st/news/2007-architekturpreis-der-oesterreichischen-beton-und-zementindustrie

Moment! Was? Wer? Wie?
Der Satz sagt nämlich nicht mehr aus, als:
„Das Gebäude leitet den Blick des Besuchers, durch weitgehenden Verzicht auf Öffnungen und Zurückhaltung bei Details, auf die im Inneren liegenden technischen Anlagen der Seilbahn und stellt diese in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.“

  • Zu jedem Projekt sollte es einen zumindest einen Kurztext (ca. 800 Zeichen) und einen Langtext (ca. 3500 Zeichen) geben.
  • Wir empfehlen die Texte - bei internationaler Veröffentlichung - zumindest auch professionell ins Englische übersetzen zu lassen. (Keine Google-Übersetzung!)
  • Stellen Sie Texte als word.rtf zur Verfügung (ohne Formatierungen) Zahlen von eins bis zwölf werden ausgeschrieben, Wortwiederholungen vermeiden
  • Personen mit Vor- und Nachnamen (und ggf. Funktion) nennen

Es ist nicht einfach, präzise zu formulieren. Das Verfassen eines Textes, der eine objektive Darstellung ermöglicht, und auch jenes Publikum erreicht, das man gerne hätte, erfordert ebensolche Professionalität wie die Fotografie. Ein Lektorat trägt, durch den Blick von außen dazu bei, Ihr Projekt besser zu vermitteln.
Es gibt Lektorate und Schreibbüros, die sich auf die Formulierungen von Architekturtexten spezialisiert haben. Denn Sie wollen ja auch analog zur Fotografie nicht ihr Projekt etwa durch einen banalen Werbetext repräsentiert sehen. Deshalb sollen auch Nicht-Fachleute mit dem Geschriebenen etwas anfangen können und sich angesprochen fühlen.

Zeichnungen und Pläne
Die Wirkung von Zeichnungen und Plänen hängt vom Medium ab, in dem publiziert werden soll. Während Pläne im Printbereich ein wichtiges Element für die genaue Rezeption einer Arbeit darstellen, sind sie im Internet schwerer lesbar und dienen eher der grafischen Komplettierung einer Projektdarstellung.
Dennoch sollten sie auf keinen Fall fehlen und das Gebäude auch bei näherer Betrachtung lesbar machen. Gerade deshalb ist die grafische Klarheit von großer Bedeutung.

Vor diesem Hintergrund erscheint es erstaunlich, dass Skizzen und Diagramme durch Publikationen im Internet vermehrt an Beachtung finden. Auf der Plattform Pinterest.com gibt es ganze Serien und Sammlungen von Architekturskizzen zu finden. Offensichtlich gewinnt die Handzeichnung mit der Digitalisierung wieder an Bedeutung. Analog gilt dies für Systemzeichnungen, Diagramme und Infografiken.

Halten Sie die grafischen Ausgestaltung Ihrer Pläne einfach und übersichtlich, ausgehend vom Maßstab 1:100. Reduzieren Sie diese auf die wesentlichen Elemente, entfernen Sie alle Hilfslinien und Beschriftungen. Reduzieren Sie die Anzahl der Strichstärken, außer in begründeten Fällen auf maximal zwei.
Fügen Sie eine Inhaltsbezeichnung (Geschossbezeichnung, Schnitt x-x) hinzu. Besonders wichtig sind Maßstabsleisten, da Ihre Zeichnungen keine Kotenlinien enthalten sollten. Entfernen Sie Raumbezeichnungen im Plan und ersetzen diese durch eine Legende. Dabei sollten Sie die Lesbarkeit der Schriftgröße im Verhältnis zum Plan beachten. Vergessen Sie nicht einen Umgebungs-, Lageplan 1:1000 beizufügen. Als Dateiformat wählen Sie Adobe.pdf.

Im zweiten Teil der Artikelserie werden Sie darüber informieren, wie Sie Ihre Unterlagen und Dateien managen und zielgruppengerecht in unterschiedlichen Formaten zusammenstellen.

Wie viele Fotos brauche ich für eine Projektdarstellung?

Nicht weniger als 15 Bilder. Eine strenge Aufteilung, welche Fotos es braucht, gibt es nicht, aber städtebaulicher oder landschaftlicher Kontext, Außenansichten und Innenraumdarstellungen dürfen nicht fehlen.

Welche Auflösung/Qualitäten brauche ich?
Für Druck: 300 dpi, Farbe CMYK, für Internet: 72 dpi, Farbe RGB, die längere Seite des Bildes sollte mindestens 1024 Pixel lang sein.

Und die Fotorechte?

Unerlässlich ist es das Werknutzungsrecht mit dem Fotografen zu klären. Was darf also in welchen Medien publiziert werden? Viele Fotografen bieten heute schon ein umfassendes Werknutzungsrecht an. Fragen Sie nach! Fotografen müssen auf alle Fälle bei Publikation der Bilder als Urheber genannt werden.

05. März 2017

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